Ratgeber · Fassade

Gerüst für Fassadenarbeiten.

Welches Gerüst passt für Putz, Anstrich oder WDVS-Dämmung? Anforderungen, Lastklassen, Kosten und Witterungsschutz — Schritt für Schritt erklärt für Bauherren.

Standardgerüst Fassade

Was muss das Gerüst können?

Für die meisten Wohngebäude reicht ein klassisches Standgerüst der Lastklasse 3 mit Breitenklasse W06. Diese Spezifikation passt für Maler, Putzer und WDVS-Aufbringer gleichermaßen.

Lastklasse
3
200 kg/m² — Standard für Fassadenmaler & Putzer
Breitenklasse
W06
60–90 cm — passt für Eimer, Werkzeug, eine Person
Verankerung
Pflicht
Dübel + Ringschrauben, alle 4 m vertikal
Geländer
3-teilig
Hauptgeländer, Knieleiste, Bordbrett
Aufstieg
Innenleiter
oder Treppenturm bei Höhe > 8 m
Plane
optional
bei Putz/Farbe meist nötig (€200–400 Zuschlag)
DIN EN 12811-1 · Lastklassen

Welche Lastklasse für welche Arbeit?

Lastklasse Belastung Entspricht Typische Arbeit
Klasse 1 0,75 kN/m² 75 kg/m² Reine Inspektion, Kontrolle
Klasse 2 1,5 kN/m² 150 kg/m² Maler, leichte Reparaturen
Klasse 3 2,0 kN/m² 200 kg/m² Fassadenmaler, Putzer, WDVS — Standard
Klasse 4 3,0 kN/m² 300 kg/m² Maurer, Dachdecker mit Material
Klasse 5 4,5 kN/m² 450 kg/m² Maurerarbeiten, Stein-/Klinkerverkleidung
Klasse 6 6,0 kN/m² 600 kg/m² Schwerer Steinbau, Industrie

Quelle: DIN EN 12811-1. Lastklasse 3 ist Standard für Fassadenmaler und Putzer.

Spezialgerüste

Wenn das Standgerüst nicht reicht.

Standgerüst (Standard)

Bodengestützt, modular. Das Standardgerüst für 95 % aller Fassadenarbeiten am Wohngebäude.

Einsatz: EFH, MFH bis 5 Stockwerke
€5–12/m² pro Monat
Hängegerüst

Wird von oben abgehängt — meist über Dachbalken oder spezielle Auslegerkonstruktionen.

Einsatz: Hochhausfassaden, schwer zugängliche Wandflächen
€15–30/m² pro Monat
Konsolgerüst

Auslegergerüst, das an der Fassade befestigt wird. Geeignet bei beengten Verhältnissen am Boden.

Einsatz: Hinterhöfe, Lichtschächte, Erker
€10–20/m² pro Monat
Treppenhausgerüst

Innen-/Außengerüst für Treppenhäuser mit höhenversetzten Belägen je Podest.

Einsatz: Treppenhaussanierung, Aufzugsschacht
€8–18/m² pro Monat
Schrägaufzug für Material

Diagonal an der Fassade laufender Aufzug für Mörtel, Ziegel, Dämmplatten — spart enorm Zeit.

Einsatz: WDVS, Putzfassaden, Dämmplatten
€80–150 pro Tag (Miete)
Kosten

Was kostet das Fassadengerüst?

Projekt Fläche Kosten Hinweis
EFH einseitig (Front) ~50–80 m² €500–1.200 4 Wochen Standmiete inkl. Auf-/Abbau
EFH rundum ~150–220 m² €1.000–2.500 Standardfall Fassadenanstrich
EFH + Witterungsplane ~150–220 m² €1.300–3.000 für Putzarbeiten / Sandstrahlen
Doppelhaushälfte ~80–120 m² €700–1.700 Brandwand-Seite oft entfällt
MFH 3-stöckig (rundum) ~300–450 m² €1.800–4.500 inkl. Sicherheitsnetz, Verankerung
EFH + Schrägaufzug WDVS ~150–220 m² €2.500–4.000 Materialaufzug + Plane für Dämmung

Alle Preise inkl. MwSt., 4 Wochen Standmiete, Aufbau und Abbau enthalten. Regional ±25 %.

Witterungsschutz

Wann brauche ich Plane oder Folie?

Reine Malerarbeiten (Wetter trocken)
Plane meist nicht nötig
— oder leichtes Schutznetz €100–150
Putz / Spachtel / Sandstrahlen
Schutzplane Pflicht
+€200–400 (Folie & Anbringung)
Ganzjahresarbeit / Winterbau
Wetterschutzplane + Heizung
+€400–800 zzgl. Heiztechnik
Asbest- / Schadstoffsanierung
Vollständige Einhausung
€15–30/m² extra, TRGS 519 beachten
Tipp: Lassen Sie Plane und Schutzfolien immer durch den Gerüstbauer anbringen — eigenes Nachrüsten ist nicht versichert und kann das Prüfprotokoll DGUV V38 ungültig machen.
FAQ

Häufige Fragen zu Fassadengerüsten.

Welche Lastklasse brauche ich für meine Fassadenarbeiten?

Für Maler-, Putz- und WDVS-Arbeiten genügt Lastklasse 3 (200 kg/m²) — das ist Standard und in 95 % der Aufträge richtig. Bei Klinker- oder Stein-Verkleidung wählen Sie Lastklasse 4–5. Reine Inspektion oder Reinigung läuft auch über Klasse 2. Lastklasse 6 ist Industriestandard.

Was kostet ein Fassadengerüst für ein Einfamilienhaus?

Ein typisches Fassadengerüst rund um ein EFH (150–220 m² Gerüstfläche) kostet €1.000–2.500 für 4 Wochen, inklusive Auf- und Abbau. Mit Schutzplane für Putzarbeiten kommen €200–400 dazu. Bei nur einer Fassadenseite halbiert sich der Preis ungefähr.

Wann brauche ich eine Schutzplane?

Pflicht ist die Plane bei Putz-, Spachtel- und Sandstrahlarbeiten — sonst werden Nachbarwände, Autos und Pflanzen verschmutzt. Bei reinen Malerarbeiten reicht meist ein Schutznetz. Bei Schadstoffsanierung (Asbest) ist eine vollständige Einhausung nach TRGS 519 vorgeschrieben.

Wie wird das Gerüst an der Fassade verankert?

Standardmäßig mit Dübeln und Ringschrauben in der tragenden Wand, in einem Raster von 4 m vertikal und 8 m horizontal. Bei WDVS-Fassaden werden spezielle Verankerungshülsen gesetzt, die später ausgeschäumt und überputzt werden. Der Gerüstbauer berechnet die Anzahl nach Statik.

Was ist der Unterschied zwischen Breitenklasse W06 und W09?

Die Breitenklasse beschreibt die nutzbare Belagsbreite. W06 (60–90 cm) ist Standard für Maler und Putzer — eine Person plus Eimer und Werkzeug. W09 (über 90 cm) wird gewählt, wenn zwei Personen gleichzeitig arbeiten oder größere Mengen Material gelagert werden (z. B. Dämmplatten, Klinker).

Lohnt sich ein Schrägaufzug fürs WDVS-Gerüst?

Bei Wärmedämm-Verbundsystem fast immer. Ein Aufzug spart 30–50 % der Materialhandling-Zeit, da Dämmplatten, Mörtel und Eimer nicht mehr getragen werden müssen. Mietkosten €80–150 pro Tag amortisieren sich oft schon ab €600 Lohnkosten je Etage.

Kann ich das Gerüst auch im Winter nutzen?

Ja, mit Wetterschutzplane und ggf. Bauheizung. Die Plane schützt Gerüst und Fassade vor Wind, Regen und Frost. Bei Putzarbeiten unter 5 °C ist eine Heizung zwingend, da Mörtel und Putz sonst nicht abbinden. Mehrkosten gegenüber Sommerarbeit: €400–800 plus Heiztechnik.

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